Den Vesuv stets im Blick, die Schwefeldämpfe der Vulkane der Phlegräischen Felder in der Nase und das Zittern der Erde wie beim Erdbeben im Mai 2026 im Körper – in der süditalienischen Metropole Neapel gehören die Bedrohungen durch die Natur wie selbstverständlich zum Lebensgefühl. Doch die Neapolitanerinnen und Neapolitaner sind in alledem eher Künstlerinnen und Künstler der positiven Lebenseinstellung, der Hoffnung. Dem nähert sich die Ausstellung HOFFNUNG IN NEAPEL | SPERANZA A NAPOLI. FOTOGRAFISCHE INTERPRETATIONEN des Fotografen Stefan Heinze mit drei Arbeiten, zwei davon zu biblischen Texten. Mit der Ausstellung ergänzt die St.-Godehardi-Kirchengemeinde Bad Nenndorf ihr vielfältiges Programm anlässlich der niedersächsischen Landesgartenschau Bad Nenndorf bei Hannover.
Die Fotoserie AUSWEGE zeigt Ansätze für ein Verständnis der Gesellschaftskritik des Buches Amos der hebräischen Bibel in der Stadt Neapel mit vielfältigen Motiven aus der Stadt. Die Bildfolge WENDEPUNKT widmet sich den im 22. Psalm zum Ausdruck kommenden Erfahrungen von der Gottesferne über die Bewahrung vor Gefahr bis zum Lob Gottes. Die Arbeit HEILIGE schließlich nimmt die Hoffnungsgestalten vom Stadtpatron San Gennaro bis zum Weltfußballer Maradona in den Blick.
Mit der Ausstellung präsentiert der Fotograf rund 45 nahezu ausschließlich im Jahr 2026 entstandene und bisher unveröffentlichte Fotografien. Einen Monat lang war er täglich in der Millionenstadt Neapel unterwegs, um die für ihn geeigneten Motive zum jeweiligen biblischen Text zu finden und eine passende Bildsprache für die biblischen Inhalte zu entwickeln. Die Ausstellung HOFFNUNG IN NEAPEL | SPERANZA A NAPOLI ist die bisher persönlichste Arbeit des Fotografen und Journalisten aus der Region Hannover. Eine Studienzeit im Rahmen seiner Tätigkeit als Referent für Medienarbeit des Ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf machte den Aufenthalt in Neapel möglich.
Von Sonntag, 6. September, bis Freitag, 6. November, 2026
täglich von 9 bis 18 Uhr
in der St.-Godehardi-Kirche, An der Kirche 1a, 31542 Bad Nenndorf (wenige Parkplätze).
Der Eintritt ist frei.
Eröffnung: Sonntag, 6. September, ca. 11 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst um 10 Uhr).
Finissage: Freitag, 6. November, 2026, 18 Uhr.
Autorenführungen: Termine folgen in Kürze.
Stefan Heinze ist Freier Fotojournalist und Journalist. Er studierte zunächst Evangelische Theologie, arbeitete fast 25 Jahre freiberuflich für die Hannoversche Allgemeine Zeitung/Neue Presse sowie andere Auftraggeber und inzwischen mit halber Stelle als Referent für Medienarbeit des Ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf.
Freiberuflich fokussiert er sich neben Fotojournalismus und Videointerviews inzwischen auf das Fotografieren zu literarischen sowie biblischen Texten (Tirana 2025, Neapel 2024 und 2026).
MITGLIEDSCHAFTEN
Stefan Heinze ist Mitglied der Fotograf*innengruppe LANDMARKER Travel Photography, des Fotograf*innenverbandes FREELENS und berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh).
LINKS
Das Fotoprojekt und die Ausstellung wurden gefördert von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Burgdorf und der Hanns-Lilje-Stiftung.
Weitere Unterstützer*innen: Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, Evangelisch-lutherische Kirche in Italien, Kirchengemeinde Neapel, Cooperativa La Paranza, Sanitansamble u.a.
Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zum Projekt HOFFNUNG IN NEAPEL und zur Ausstellung.
DAS PROJEKT UND DIE AUSSTELLUNG
Reich und Arm, kulturhistorische Perle am Mittelmeer und wirtschaftliches Zentrum Süditaliens – Neapel ist eine pulsierende Metropole und Stadt der Kontraste. Sie fordert mit ihrer Lebhaftigkeit und beschenkt immer wieder neu durch die Weitherzigkeit der Neapolitanerinnen und Neapolitaner.
Im Jahr 2024 habe ich dort zu literarischen Texten über Neapel fotografiert und dabei den Stil meiner journalistisch geprägten Fotografie, meine Bildsprache, weiterentwickelt. Die Ergebnisse führten mich zu der Frage, ob und wenn ja wie ich auch zu biblischen Texten fotografieren könnte.
Im Mai 2026 habe ich das Fotografieren zu biblischen Texten mit dem 22. Psalm und zum Buch Amos der hebräischen Bibel erprobt. In Neapel ist Religion zudem in der Stadt direkt präsent. Die Verehrung des Stadtpatrons und Heiligen San Gennaro zeigt diese Präsenz, ebenso die geradezu religiös anmutende Begeisterung für die Stars der Stadt von Weltfußballer Diego Maradona bis hin zum Opernstar Enrico Caruso. Dem widmet sich der dritte Teil der Ausstellung.
Die Ausstellung HOFFNUNG IN NEAPEL | SPERANZA A NAPOLI gibt Einblicke in den Prozess meiner Auseinandersetzung mit den biblischen Texten und der Stadt Neapel. Meine Fotografien wollen keine allgemeingültigen Wahrheiten über die Millionenstadt vermitteln. Sie möchten eher gar nicht „vermitteln“, sondern Teilhabe an meinen Erfahrungen ermöglichen. Sie finden darum in dieser Ausstellung neben journalistisch geprägten Fotografien immer wieder poetischere, symbolischere, unvollkommenere Bilder. Diese „unfinished pictures“ sollen das eigenen Assoziieren ermöglichen, Wege eröffnen, sie mit eigenen Erfahrungen ins Gespräch zu bringen und damit auch Türen zu den in den biblischen Texten thematisierten Erfahrungen öffnen.
Die drei Arbeiten WENDEPUNKT, AUSWEGE und HEILIGE sind dabei auch ingesamt nicht abgeschlossen, wollen und können es nicht sein. Sie sind eine Momentaufnahme von meiner Entwicklung von der journalistischen Fotografie hin zu bedeutungsoffeneren Bildern und Arbeiten insgesamt. Die Präsentation folgt insbesondere in AUSWEGE keinem starken Kontinuum wie bei einer Bildreportage. Ich fokussiere eher Teile des Ganzen und arrangiere diese Bildgruppen ähnlich, wie Sie es vielleicht von einem literarischen Essay kennen.
Viel Aufmerksamkeit habe ich der Frage gewidmet, wie die Fotografien sachgerecht mit den biblischen Texten verbunden werden. Biblische Zitate stehen hier bewusst nicht unter einzelnen Fotografien, um keine direkten Zuordnungen zu provozieren. Die Fotografien könnten so als Illustrationen einzelner Bibelverse missverstanden werden. Um ihre interpretierende Kraft zu entfalten, brauchen die Bilder Abstand zu den Texten und müssen Möglichkeiten eröffnen, selbst Bezüge zu entwickeln. Die Texte der beiden biblisch begründeten Arbeiten (Amos und Psalm 22) stehen daher am Schluss und beschränken sich auf Ausschnitte.
Im Verlauf der Arbeit hat sich das Thema „Hoffnung“ als zentraler Bezugspunkt aller drei Arbeiten herausbildet. Ich meine, dass sich diese thematische Fokussierung nicht nur in den Texten begründet, sondern ebenso in dem besonderen Lebensgefühl, das die Stadt angesichts der Bedrohungen durch den Vesuv, die Vulkane der Phlegräischen Felder und die stetige Gefahr von Erdbeben prägt.

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